Mercedes-Rückruf: Erhöhte Brandgefahr bei Dieselmodellen

Die E-Klasse- und der CLS aus den Baujahren 2015 bis 2019 benötigen wegen Kurzschlussgefahr eine Modifikation der Stromschiene. Nachzutragen gibt es auch noch kleinere Aktionen für A- und B-Klasse, sowie den CLA.

Mercedes-Benz E-Klasse Coupé; 2016; Exterieur: designo hyazinthrot metallic, AVANTGARDE, Baureihe C238
Bild: Daimler AG

Wegen erhöhter Brandgefahr hat Daimler einen Rückruf für weltweit rund 298.000 Mercedes-Modelle mit Dieselmotor gestartet. In Deutschland geht es laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) um über 105.000 Exemplare vom Typ E-Klasse und CLS.  Durch „elektrochemische Vorgänge“ könnten „leitfähige Verbindungen in der Stromschiene“ entstehen, begründete ein Konzernsprecher auf Nachfrage die Aktion.

Diese Schiene überträgt elektrische Ströme u.a. vom Starter und vom Generator.  Laut Sprecher kann Feuchtigkeit in das Bauteil gelangen, z.B. „salzhaltiges oder verschmutztes Wasser von der Frontscheibe“.  Die daraus resultierenden Stromflüsse der nebeneinander liegenden Leitungen könnten „abhängig von der betroffenen Stelle in der Stromschiene und der Ausprägung der Verbindungen zu einer thermischen Belastung des Kunststoffmaterials der Stromschiene führen“, sagte er.

Der Hersteller bestellt demnächst Fahrzeuge aus dem Produktionszeitraum Juli 2015 bis Oktober 2019 in die Partnerbetriebe ein. Konkret geht es um die Baureihen 213, 238 (Foto) und 257 mit den Motoren „OM642“, „OM654“ und „OM656“.  Die Werkstätten modifizieren bei den betroffenen Fahrzeugen die Stromschiene und verlegen eine separate elektrische Leitung. Der Rückruf hat den internen Code „1590007“ und dauert dem Sprecher zufolge etwa eine Stunde. Kundenfragen beantwortet die Hotline unter der Rufnummer 00800/12777777.

Kleinere Aktionen für kleine Modelle

Nachzutragen gibt es auch noch die Ende 2019 gestarteten kleineren Aktionen „9190203“ und „9190204“ für die A-Klasse (letztere auch B-Klasse und CLA). Eine Schweißnaht an der Sitzhöhenverstellung des linken Vordersitzes kann in 313 hierzulande zugelassenen Fahrzeugen der Baureihe 177 defekt sein und brechen. Hierdurch könnte sich das Sitzkissen bei einem Unfall nach vorne absenken, was die Schutzwirkung des Rückhaltesystems beeinträchtigt. Bei den zwischen 16. Oktober und 30. November 2018 gebauten Modellen ersetzen die Mercedes-Partner den Neigungsversteller, was ca. 2,5 Stunden in Anspruch nehmen wird.

Für 223 deutsche Halter relevant ist eine nicht der Spezifikation entsprechende Kalibrierung des Insassenklassifizierungssystems für den Beifahrersitz. „Dadurch könnte unter Umständen ein montierter Kindersitz als Person bzw. eine leichte kleine Person als Kindersitz erkannt werden“, so der Sprecher. Die CLA- (BR 117), A- (BR 176) und B-Klasse-Modelle (BR 246) liefen zwischen August 2014 und November 2017 vom Band. Sie benötigen ein neues Beifahrersitzkissen, was die Werkstatt innerhalb von drei Stunden tauscht. Die Hotline-Nummer für diese beiden Aktionen, deren vollständige Abarbeitung das KBA überprüft, lautet 00800/97777777. Beim großen Rückruf steht die Entscheidung bezüglich der behördlichen Überwachung noch aus.

Nachtrag 24.4.:

Auch den Rückruf „1590007“ stuft das KBA inzwischen als „überwacht“ ein.

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2 Kommentare

  1. Gut zu wissen, dass Daimler bzw. Mercedes-Benz die Produktbeobachtungspflicht auch lange über die Garantiezeit hinaus verantwortungsbewußt wahr nimmt. Damit lässt sich getrost Mercedes fahren. Ich fühle mich auch nach Jahren bzw. älterem Mercedes sehr gut betreut.

  2. Bei der Kundenhotline braucht man zu diesem Thema nicht anzurufen. „Wir haben noch keine weiteren Informationen darüber. Das ist ein reines Medienthema“. (Was auch immer das sein soll.) „Rufen Sie in 2-3 Wochen noch einmal an, wenn auch die Briefe raus sind.“ Wenn die Medien schon detaillierte Erkenntnisse haben, warum dann nicht auch die eigenen Mitarbeiter?

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