Globalisierung des Verbraucherschutzes

Den vielen negativen Beispielen für die Konsequenzen eines immer enger verflochtenen Weltmarkts können auch positive gegenübergestellt werden. Dazu zählt auch das Rückrufthema.

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Bild: Pixabay / geralt, CC0 Creative Commons

Der Begriff Globalisierung ist in der öffentlichen Wahrnehmung negativ besetzt. Er steht stellvertretend für die Zukunftsangst vieler Bürger. Die Angst davor, künftig mit Arbeitern aus Niedriglohnländern konkurrieren zu müssen – oder im Verbund mit der Digitalisierung gleich komplett aus der Erwerbstätigkeit gefegt zu werden. Kurz: Globalisierung gefährdet die Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft und damit unseren Wohlstand.

Das ist starker Tobak. Man wagt es da fast gar nicht mehr, Globalisierung und Digitalisierung ins positive Licht zu rücken. In der sehr interessanten Titelstory der letzten „Spiegel“-Ausgabe (Nr. 19/2018) über die Reformierbarkeit des Kapitalismus taten es einige Protagonisten trotzdem. Die bekannte Netzaktivistin und Bundestagsabgeordnete Anke Domscheid-Berg beispielsweise erzählte dort von einem südafrikanischen Schreiner, der über das Internet Hilfe zur Entwicklung einer Prothese für die durch seinen Beruf verkrüppelte Hand fand. Für einige hundert Dollar kann sich nun jeder die Bauanleitung herunterladen.

Auch das Rückrufthema taugt meines Erachtens als Positivbeispiel. Länder mit höheren Verbraucherschutzstandards können diese nun quasi exportieren, wenn auch eher unfreiwillig ohne Handelsabkommen. Jüngstes Exempel ist ein gestern bekannt gewordener BMW-Rückruf in Großbritannien. Er ist nichts anderes als die Ausweitung eines Rückrufs von 2017. Den wiederum gab es bereits 2013 in den USA – dem Land der unbegrenzten Schadensersatzforderungen.

Wir sprechen hier nicht von einem Einzelfall. Ich habe schon fast jeder Pressestelle eines Autobauers die Frage gestellt, warum ein Rückruf (meist in Nordamerika) nicht auch in Europa / Deutschland stattfindet. Die Antwort – wenn denn überhaupt eine kam (s. meine BMW-Meldung von dieser Woche) – klang selten überzeugend. Je häufiger sich aber die Hersteller solche unangenehmen Fragen gefallen lassen müssen, desto geringer dürfte die Neigung sein, Rückrufaktionen regional zu begrenzen. Eine solche Globalisierung des Verbraucherschutzes wäre doch eine wirklich positive Errungenschaft!

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