Dem Volk aufs Maul schauen

Ein Beitrag im heutigen "SZ-Magazin" offenbart, wie groß inzwischen die Kluft zwischen normalem Volk und Autoindustrie geworden ist.

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Bild: Pixabay / phio, CC0 Creative Commons

Selbst das Pflichtblatt der Intellektuellen, das „SZ-Magazin“, hat sich nun mit Dieselgate beschäftigt. Man hätte erwarten können, dass der heute erschienene Text vor wissenschaftlichen Fakten nur so strotzt oder geheime Unterlagen über Absprachen der Autoindustrie über die Minimierung der Abgasreinigung ans Licht bringt. Doch: nichts davon! Stattdessen erscheint ein Stück aus der Perspektive eines normalen Diesel-Fahrers, der sich mit Autos nur dann beschäftigt, wenn ein Kauf ansteht. Und das ist gut so.

Denn so erfährt man, was die so genannte „Umweltprämie“ aus Kundensicht ist: eine Unverschämtheit. Man habe aus den Betrogenen kurzerhand eine neue Zielgruppe gemacht, beklagt der Betroffene. Die Strategen bei den deutschen Autobauern klopfen sich unterdessen immer noch gegenseitig auf die Schultern. Sie lassen sich dafür feiern, den Marketinggag beim Dieselgipfel als Zugeständnis verkauft zu haben. Auch der Händler, der dem Autor kurz vor Beginn des Abgasskandals einen VW T5 verkauft hat, kommt nicht wirklich gut weg. Er wischt alle Proteste großspurig zur Seite, schließlich befände sich Deutschland ohne Autoindustrie „auf dem Niveau von Kasachstan“.

Der größte Dieselgegner, Jürgen Resch von der DUH, rät seinem Gegenüber, auf einen Erdgasbus umzusteigen. Doch der Vater von vier Kindern stellt fest, dass es für ihn kaum Angebote auf dem GW-Markt gibt. Auf das unterschiedlich dichte Tankstellennetz in Europa kommt er gar nicht zu sprechen, vermutlich, weil er das Fahrzeug vor allem für den morgendlichen Transport seiner Kids zu unterschiedlichen Betreuungseinrichtungen/Schulen nutzt, wie er schreibt. Warum verwirft er dann aber die Anschaffung eines E-Busses wegen zu geringer Reichweite?

Man wirft ja Politikern oft vor, dass sie den Kontakt zum Wähler verloren haben. Ich habe den Eindruck, dass sich die Autobranche in einem Elfenbeinturm bewegt. Alle Beteiligten – inklusive uns Journalisten – täten gut daran, dem Volk wieder mehr aufs Maul zu schauen!

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