Wegen Abschalteinrichtung: Bislang umfangreichster Diesel-Rückruf bei Mercedes

Fast 99.000 Transporter vom Typ Sprinter benötigen allein in Deutschland ein Softwareupdate zur Verbesserung des Emissionsverhaltens. Daimler folgt einer Anweisung des Kraftfahrt-Bundesamts, hat aber Widerspruch eingelegt.

Mercedes-Benz Sprinter 311 CDI; Exterieur; dolomitbraun metallic; OM 651 mit 84 kW/114 PS; 2,15 L Hubraum; 7G-Tronic Plus; Radstand: 3665 mm; 3,5 Tonnen, aufgenommen im April 2016.
Bild: Daimler AG

Genau 40 Einträge zu Pkw und Nutzfahrzeugen aus dem Hause Daimler wegen „unzulässiger Abschalteinrichtungen bzw. der unzulässigen Reduzierung der Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems“ enthält die Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) inzwischen. Der jüngste Vermerk stammt aus der vergangenen Woche und kündigt das bislang umfangreichste Softwareupdate an. Europas Vertragswerkstätten spielen es den Angaben zufolge bei rund 263.000 Exemplaren des Mercedes Sprinter auf, davon knapp 99.000 in Deutschland.

Konkret geht es um die Baureihe 906 aus den Produktionsjahren 2013 bis 2018. Die Behördenentscheidung stamme bereits aus dem Jahr 2019, sagte ein Daimler-Sprecher auf Anfrage. Damals kam das KBA zu dem Schluss, dass verschiedene Modelle mit dem Dieselmotor OM651 und der Abgasnorm Euro5 nicht den gesetzlichen Anforderungen genügen.

„Die entsprechende Software wurde mittlerweile entwickelt und genehmigt. Unsere Kunden werden angeschrieben und gebeten, einen Termin bei einem Service-Partner auszumachen“, kündigte der Unternehmenssprecher an. Gleichzeitig habe man gegen die KBA-Bescheide Widerspruch eingelegt und lasse die Streitfrage auch gerichtlich klären, betonte er.

Überwachter Rückruf trotz BGH-Urteil

Damit ist allerdings nicht die jüngste Entscheidung des Bundesgerichtshofs gemeint. Der hatte am 16. September anlässlich einiger Schadensersatzforderungen von Mercedes-Kunden erklärt, dass die Frage der Zulässigkeit der von Daimler verwendeten Abschalteinrichtung „nicht eindeutig und unzweifelhaft beantwortet werden“ könne. Hier ging es aber um Fälle, bei denen die Fahrzeuge keiner Rückrufanordnung durch das KBA unterlagen.

Für die Halter der betroffenen Transporter besteht also aktuell eine Pflicht zum Werkstattbesuch. Denn wie alle Rückrufe im Zusammenhang mit dem Abgasskandal überwacht das KBA auch diese Aktion, die den internen Herstellercode „NC3II6515R“ trägt. Wer mehrere Aufforderungen zur Aktualisierung der Emissionskontrolle ignoriert, muss mit der Stilllegung seines Fahrzeugs durch die örtliche Zulassungsstelle rechnen.

Nachtrag 7.10.:

Nun liegt ein weiterer Aktionscode vor, der eine ähnlich hohe Anzahl an Kleintransportern vom Typ Vito und Viano betrifft. Die Maßnahme „NC2II651R“ umfasst laut KBA 235.152 Einheiten der Baujahre 2010 bis 2014, davon 88.535 in Deutschland.

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