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Die seltsame Aufbereitung der Neuzulassungszahlen durch das KBA erleichtert nicht gerade den Blick auf den tatsächlichen Stand der Dinge bei der Verkehrswende.

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Bild: Pixabay / Atranias

Auf den ersten Blick scheint die Verkehrs- bzw. Kraftstoffwende in Deutschland zügig voranzukommen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wies beispielsweise für den vergangenen Dezember einen Anteil von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben an den Neuzulassungen von 52,4 Prozent aus. Mehr als die Hälfte der Neuwagen hatte also keinen reinen Verbrenner mehr an Bord, möchte man meinen.

Doch die Deutsche Automobil Treuhand präzisierte in dieser Woche die Statistik: 36 Prozent der „alternativ“ angetriebenen Autos sind in Wahrheit auch Verbrenner. Es handelt sich um so genannte Mildhybrid-Antriebe (mHEV), die nicht rein elektrisch fahren können, sondern nur einen Startergenerator zur Verbrauchsreduzierung besitzen.

„Rechnet man die mHEV zu den Verbrennern, ergibt dies einen Dieselanteil von 28 statt 21 Prozent, Benziner steigen von 36 auf 45 Prozent“, so die Neukalkulation des Unternehmens für die ersten beiden Monate dieses Jahres. Der Fairness halber sei gesagt, dass das KBA den Anteil von 23 Prozent (rein) elektrischer Pkw an den Neuzulassungen in seinen Veröffentlichungen nicht unterschlägt. Man muss nur etwas danach suchen.

Tesla führt das BEV-Markenranking deutlich an

Albern wird es aber, wenn ein Fabrikat wie Audi mit einem Anteil von 71 Prozent an seinen Neuzulassungen als König der „alternativen Antriebe“ ausgewiesen wird. Nicht nur der Laie dürfte darunter eben lokal emissionsfreie oder zumindest teilweise elektrisch bewegte Autos verstehen. Die machten bei den Ingolstädtern im Februar 2022 aber nur 20 Prozent vom Verkaufskuchen aus.

Sieht man sich die Absatzzahlen der rein batterieelektrischen Pkw (BEV) an, so schafft es die VW-Tochter nicht auf die vorderen Plätze. Hier liegt Tesla im Februar-Markenranking mit weitem Abstand auf Platz 1 (knapp 6.000 Neuzulassungen). Es folgen VW, Hyundai, Renault und BMW. Es wäre angesagt, solche Bilanzen auch von offizieller Seite deutlicher zu artikulieren. Ansonsten verstellen die Flensburger Zahlenkolonnen nämlich den Blick auf den tatsächlichen Stand der Dinge bei der notwendigen Abkehr von fossilen Energieträgern im Verkehrssektor.

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