Mangelverwalter

Der neue Mangelmelder des Kraftfahrt-Bundesamts ändert zwar nichts am grundsätzlichen Transparenzdefizit der Behörde, ist aber immerhin ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Auskunftspavillon des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) an der Fördestraße 16 in Flensburg.
Bild: KBA

„Noch schneller und einfacher“ können Fahrzeugbesitzerinnen und –besitzer laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) von nun an Fahrzeugmängel melden. Schon immer haben mich solche Marketingfloskeln in Pressemitteilungen amüsiert, zumal in diesem Fall etwas angepriesen wird, was es vorher noch gar nicht gab: der neue „Mangelmelder“ der Flensburger Behörde. Wer auf ein vermeintlich sicherheitsrelevantes Problem am Kfz hinweisen will, kann dies nun über ein eigens eingerichtetes Online-Formular tun.

Für den/die Ausfüllende/n wird der Zeitaufwand im Vergleich zum Standard-Kontaktformular allerdings deutlich größer. „Schneller und einfacher“ wird die Kommunikation daher in erster Linie für die Marktüberwachungsabteilung des KBA. Fairerweise sei erwähnt, dass dies die Verfasser des Statements auch einräumen. „Mit dem Ziel der Reduktion zeitaufwändiger Rückfragen wurde die Menüführung so gestaltet, dass alle für die Prüfung erforderlichen Angaben direkt abgefragt werden“, heißt es in der Ankündigung des neuen Services.

Vergleicht man den neuen Mangelmelder mit dem Pendant in den USA fallen zwei Dinge auf. Zum einen ist dort die Möglichkeit Alarm zu schlagen viel prominenter auf der Homepage der Verkehrssicherheitsbehörde ausgewiesen, nämlich immer rechts oben, egal auf welcher Unterseite der NHTSA man sich befindet. Zudem wird die Nutzerin / der Nutzer während ihrer / seiner Meldung stärker an die Hand genommen. Das vereinfacht die statistische Auswertung, denn jede Beschwerde ist später online abrufbar. Und das bringt uns mal wieder zum größten Mangel hierzulande – dem der Transparenz.

Die Ankündigung einer späteren Publikation der in Flensburg eingegangenen Meldungen sucht man in der Pressemitteilung vergebens. „Insgesamt hat das KBA im Jahr 2022 etwa 900 Produktsicherheitsuntersuchungen durchgeführt. In der Folge wurden 522 Rückrufe durchgeführt und 3 Mio. betroffene Fahrzeuge berücksichtigt“, schreibt die Behörde. Auch diese durchaus vorzeigenswerte Arbeit der Behördenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter lässt sich in den öffentlich zugänglichen Daten des KBA nur schwer oder gar nicht nachvollziehen. Aber man soll ja nicht nur meckern: Angesichts der schon lange bekannten Behördendefizite ist der neue Mangelmelder immerhin ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

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