Meinungsdiktatoren, zum Diktat!

Wer in diesem Land ein "Meinungsdiktat" beklagt, hat keine Ahnung, wie es in einer wirklichen Diktatur zugeht - oder er versucht, mit einer Diktatur Geschäfte zu machen.

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Bild: Pixabay / johnhain

Soso, über die Hälfte der Bundesbürger glaubt also, dass es ein „Meinungsdiktat“ in unserem Land gibt. Das geht aus einer Studie hervor, die als Fazit mehr Demokratiebildung empfiehlt. Ich empfehle eine größere Reisetätigkeit. Vorzugsweise an Orte, in denen die freie Äußerung der eigenen Ansicht tatsächlich unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen kann. Dafür muss man ja inzwischen gar nicht mehr so weit fahren, gell Herr Orban?

Wer ungern in die Fremde fährt, könnte auch mit Personen sprechen, die selbst eine Diktatur auf deutschen Boden erlebt haben. Ich hatte noch das Privileg, Opfer des Naziterrors persönlich kennenzulernen. Außerdem konnte ich als Elftklässler die letzten Zuckungen der DDR auf einer Studienfahrt miterleben. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Hektik, die unser Protest gegen die pünktliche Schließung der Kellerdisco unseres Jugendhotels auslöste. Damals gaben wir den Kolleginnen und Kollegen einer mit uns tanzenden Schulklasse aus Brandenburg einen Crashkurs in Sachen Sitzstreik. Tags darauf erfuhren wir, dass die sich damit einen Mordsärger von ihren Lehrern einhandelten.

Nicht nur aufgrund dieser noch harmlosen Anekdote kann ich jedem versichern, dass wir hierzulande Lichtjahre von einem „Meinungsdiktat“ entfernt sind. Oder war damit etwas anderes gemeint? Kamen bei der Stichprobe, die für solche Studien ja immer erhoben wird, überdurchschnittlich viele Menschen zu Wort, die beruflich mit Diktaturen zu tun haben? Solche Personen kommen in der Tat auch bei uns schnell an die Grenzen der Meinungsfreiheit, nämlich dann, wenn dadurch Umsatz verloren gehen könnte. Das hat schon Daimlers Noch-Chef Dieter Zetsche gezeigt und nun auch die Verantwortlichen von Leica.

Die haben sich diese Woche schnell von einem Unternehmensvideo distanziert, welches das Massaker auf dem Pekinger Tiananmen-Platz von 1989 thematisiert. Denn wer chinesische Parteibonzen verärgert, riskiert die lukrative Partnerschaft mit dem Handy-Hersteller „Huawei“. Wer solches Duckmäusertum anprangert, hat meine Unterstützung. Wer sich aber als Opfer eines „Meinungsdiktats“ geriert, in Wahrheit aber einfach nur keine Andersdenkenden mag, der möge gefälligst mit dem berechtigten Gegenwind leben.

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