Ohne Tempolimit auf dem Holzweg

Die Automatisierung unseres Lebens schreitet unaufhaltsam voran – nicht nur auf der Straße. Die meisten Gelbwesten scheinen dagegen anzunehmen, dass alles so bleiben müsse, wie es ist.

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Bild: Pixabay / nidan

Wenn sich die neue CDU-Chefin, Annegret Kramp-Karrenbauer, und der Chef der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, – quasi das Yin und Yang verkehrspolitischer Diskussionen – ausnahmsweise mal einig sind, dann muss das Gesagte stimmen. In der Tat sind die Debatten um Grenzwerte und Tempolimit „Phantomdebatten“. Alle Argumente sind ausgetauscht – beim Tempolimit bereits seit bald einem halben Jahrhundert. So lange wir keinen Volksentscheid zur Lösung solcher Konflikte haben, sind weitere Streitereien reine Zeitverschwendung.

Währenddessen ist in China nämlich wieder etwas umgefallen. Interessiert Sie nicht? Sollte es aber! Denn es handelt sich nicht um Fahrräder oder Säcke voll Reis, sondern um die Kader der kommunistischen Partei. Vor Lachen. Sie amüsieren sich königlich darüber, dass wir unsere Ressourcen in Endlos-Diskussionen verschwenden, während sie in aller Seelenruhe die Zukunft der globalen Mobilität planen. Und in dieser Zukunft ist die deutsche Autoindustrie nur noch ein Hardwarelieferant von vielen – wenn überhaupt.

Anders als der von der Wirtschaftswoche zitierte Florian Heinemann glaube ich nicht, dass das Silicon Valley die Leibeigenschaft übernimmt. Das hätte immerhin einen demokratischen Background. Für viel bedrohlicher halte ich das technisch ausgefeilte chinesische Sozialkredit-System. Dem müssen wir endlich ein Gegenkonzept entgegenstellen. Das sollte die Forderung von Gelbwesten sein. Deren Motive, auf die Straße zu gehen, sind auf den ersten Blick höchst unterschiedlich. Beseelt sind sie aber alle vom gleichen Grundgedanken: Bewahrung der guten alten Zeit!

Das Weltwirtschaftsforum in Davos hat aber eben wieder gezeigt, dass die Automatisierung unaufhaltsam voranschreitet – nicht nur auf der Straße. China marschiert an der Spitze. In Stuttgart marschieren dagegen einige wegen einer vermeintlichen Enteignung auf. Das ist in etwa so, als würde sich der Hausmeister eines lichterloh brennenden Hochhauses über ein Graffiti an der Wand beschweren. Wer auf dem Holzweg Vollgas gibt, spielt denen in die Hände, die uns weit mehr wegnehmen wollen als die Freiheit, auch bis in den letzten Winkel einer chronisch verstopften Innenstadt mit dem Auto fahren zu dürfen.

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