Seat-Rückruf: Warnung vor giftigem Kältemittel

Es ist ein vergleichsweise kleiner Rückruf, aber er könnte Aufsehen erregen. Denn das Fehlerbild beim neuen Ibiza scheint die Warnungen vor der Substanz R1234yf in Pkw-Klimaanlagen zu bestätigen.

Ein blauer Seat Ibiza fährt 2017 auf einer Küstenstarße.
Bild: Seat

VW-Tochter Seat ruft aktuell weltweit 8.790 Fahrzeuge des neuen Ibiza zurück, davon 2.038 in Deutschland. „Im Falle eines Unfalls kann die Hochdruckrohrleitung der Klimaanlage brechen und ein schädliches und brennbares Gas nach außen treten“, begründete ein Sprecher der Marke gegenüber „Kfz-Rueckrufe.de“ die kürzlich gestartete Aktion. Diese Fehlerbeschreibung lässt aufhorchen. Vor einigen Jahren diskutierte die Autobranche heftig die Gefährlichkeit des Kältemittels R1234yf, mit dem seit Jahresbeginn fast alle Neufahrzeuge befüllt sind, also auch der Ibiza.

Es war ebenfalls ein Rückruf, der die Kältemittel-Diskussion im Jahr 2012 so richtig aufflammen ließ. Damals machte Daimler Sicherheitsbedenken beim Nachfolger des bis dahin üblichen Kältemittels R134a geltend. Der Konzern verweigerte die Verwendung von R1234yf. Der Rückruf für die B-Klasse und den SL der Baujahre 2011 und 2012 ist bis heute in der Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) mit der Referenznummer „3886“ zu finden. Begründung: „Kältemittel R1234yf gerät bei Laborversuch in Brand.“

Nun gibt es also den zweiten Rückruf im Zusammenhang mit der Chemikalie. Die fünfte Generation des Seat Ibiza (Modellcode KJ) wird seit wenigen Wochen ausgeliefert; alle bis einschließlich 1. Juni dieses Jahres produzierte Modelle sind von der Aktion betroffen (letzte Ziffern im Fahrgestellnummernbereich: -000113 bis -012013). Laut Sprecher wurde in den Fahrzeugen „eine abweichende Hochdruckrohrleitung der Klimaanlage verbaut“. Die Seat-Partner prüfen die Leitung und tauschen sie bei Bedarf aus. Die Halter könnten ihren Ibiza bis zur Instandsetzung weiter nutzen, betonte er.

Dies deutet darauf hin, dass der Hersteller die Eintrittswahrscheinlichkeit eines „Kältemittel-GAU“ als gering einstuft. Als Glück im Unglück könnte sich für die Verantwortlichen zudem die Tatsache erweisen, dass sie den Fehler kurz nach Marktstart erkannt haben. Der Ibiza ist laut Seat das erste Fahrzeug im VW-Konzern, bei dem der so genannte Modulare Querbaukasten „A0“ zum Einsatz kommt. Es ist also nicht davon auszugehen, dass es weitere Rückrufe bei Geschwistermodellen wie VW Polo, Audi A1 oder Skoda Fabia geben wird. Die reparierten Seat-Modelle sind an einem Aktionsaufkleber erkennbar. Er befindet sich in der Reserveradmulde oder im Inspektions- und Wartungsplan des Fahrzeugs und hat den Eintrag „87F3“.

Nachtrag vom 1. August:

Der Kältemittel-Hersteller Honeywell hat sich aufgrund des Beitrags zu Wort gemeldet und folgendes Statement abgegeben: „Der Rückruf betrifft spezifisch ein Teil des Klimaanlagensystems und steht nicht im Zusammenhang mit dem genutzten Kältemittel. HFO-1234yf ist in keiner Weise Gegenstand des Rückrufs. Derzeit kühlt HFO-1234yf etwa 30 Millionen Fahrzeuge weltweit, über drei Millionen davon allein in Deutschland.“ Der Autor bleibt bei seinem Standpunkt, dass die Warnung vor „giftigen“ (KBA) bzw. „schädlichen“ (Seat) Gasen  bei einer Klimaanlagenleckage bislang einmalig ist und daher in Zusammenhang mit dem verwendeten Kältemittel gebracht werden muss.

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