Ford: Softwareupdate für Mustang Mach-E kommt via Internet

Ein Rückruf, der eine Überhitzung der Hauptkontakte des Enrgiespeichers verhindern soll, findet nur auf Kundenwusch im Vertragsbetrieb statt. In Deutschland stehen über 6.400 Halter vor dieser Entscheidung.

Ein weißer Ford Mustang Mach-E fährt 2021 auf regennasser Fahrbahn.
Bild: Ford of Europe GmbH

Immer mehr Hersteller beheben nun auch sicherheitsrelevante Probleme ohne Werkstattbesuch. Jüngstes Beispiel ist Ford, das ein fälliges Softwareupdate „over the air“, also via Internet auf den Mustang Mach-E spielt. Auf Wunsch kann der Kunde für den Rückruf mit dem internen Aktionscode „22S41“ aber auch ganz klassisch in den Vertragsbetrieb kommen, wie ein Sprecher der Ford Werke GmbH auf Anfrage sagte.

Notwendig wird der Eingriff, weil die Hauptkontakte der Hochvolt-Batterie bei sehr hohen Stromstärken überhitzen können. Das Elektroauto startet in einem solchen Fall entweder nicht mehr oder verliert während der Fahrt die Antriebskraft. Die Überhitzung sei meist Folge von wiederholten Schnellladevorgängen mit Gleichstrom und/oder des häufigen Abrufens der vollen Leistungsfähigkeit des Motors durch Durchdrücken des Gaspedals, erklärte der Sprecher.

Er betonte, dass in diesem Zusammenhang keine Berichte über Unfälle oder Verletzungen bekannt seien. „Ford hat im Rahmen dieser Aktion auch keine Anweisungen herausgegeben, dass die potenziell betroffenen Mach-Es nicht mehr gefahren/bewegt werden dürften“, sagte er. Die Elektroautos liefen seinen Worten zufolge zwischen 27. Mai 2020 und 24. Mai 2022 im mexikanischen Montagewerk Cuautitlan vom Band. Betroffen seien in Deutschland 6.411 Halter eines Mustang Mach-E. In Nordamerika, wo der Rückruf schon länger bekannt ist, sind es über 56.000.

Nachtrag 3.11.:

Nun wird wohl doch ein mechanischer Eingriff wegen des Problems nötig, zumindest bei den GT-Modellen und jenen mit erhöhter Batteriekapazität (Extended Range). Dies bestätigte ein Sprecher der Ford-Werke GmbH auf Nachfrage. Ein deswegen gestarteter neuer Rückruf trägt den internen Aktionscode „23S56“ und sieht den Austausch des Hochspannungsbatterie-Anschlusskastens des Hauptschützes vor. Diese etwa fünfstündige Reparatur an etwa 3.500 Fahrzeugen soll nun eine Überhitzung der Hauptschütze der HV-Batterie und damit einen Antriebsverlust endgültig ausschließen.

Nachtrag 20.1.2024:

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat noch eine ausführliche Rückrufbegründung des Herstellers zur Aktion „23S56“ publiziert: „Es kann zu einer Überhitzung der Hauptschütze der Hochvolt-(HV-)Batterie kommen. Dies könnte dazu führen, dass die Hochvolt-Schütze ständig offen oder durch Verschweißen ständig geschlossen sind. Wenn ein HV-Schütz während der Fahrt in der offenen Stellung klemmt, sorgt die Fahrzeugdiagnose dafür, dass eine Motorregelungskontrollleuchte (MIL) aufleuchtet, das Fahrzeug zeigt ‚Bitte anhalten‘ an und das Fahrzeug verliert sofort an Antrieb. Das Fahrzeug rollt bis zum Stillstand aus, wobei alle 12-V-Systeme einschließlich Servobremsen und Servolenkung funktionsfähig bleiben.

Bei Fahrzeugen, bei denen die Rückrufaktion ’22S41′ durchgeführt wurde: Die Softwarelösung aktiviert die MIL, wenn der gemessene Widerstand des HV-Schützes über dem Schwellenwert liegt, und es kommt zu einer Reduzierung der Fahrzeugleistung um durchschnittlich 50 % seiner Nennleistung, um weitere Schäden an den Schützen zu verhindern. Das Fahrzeug kann mit dieser Leistungsreduzierung weiterhin sicher auch auf Autobahngeschwindigkeit betrieben werden. In einigen wenigen Fällen können trotz durchgeführter Rückrufaktion ’22S41′ jedoch Schäden an den Schützen nicht proaktiv erkannt werden. Dadurch kann es zu einem unerwarteten Schließen des Schützes durch Verschweißen oder Öffnen des Schützes während der Fahrt kommen.

Wenn die Schütze während der Fahrt durch Verschweißen geschlossen werden, leuchtet beim nächsten Zündzyklus die MIL auf und das Fahrzeug startet nicht. Wenn die Schütze während der Fahrt geöffnet sind, leuchtet im Fahrzeug die MIL auf, im Display er scheint ‚Bitte anhalten‘ und das Fahrzeug verliert sofort an Antrieb. Das Fahrzeug rollt bis zum Stillstand aus, wobei alle 12-V-Systeme einschließlich Servobremsen und Servolenkung funktionsfähig bleiben.

Maßnahme: Die Ford Werke GmbH arbeitet mit ihren Zulieferern zusammen, um Ersatzteile (HV-Batterieschaltbox) herzustellen. Sobald diese Boxen verfügbar sind, werden Sie von der Ford Werke GmbH postalisch benachrichtigt, um einen Servicetermin mit Ihrem Händler für eine kostenlose Reparatur (Teile und Arbeitszeit) zu vereinbaren. Es wird ein Hol- und Bringservice angeboten und für die Dauer der Reparatur steht ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung.

WICHTIGER HINWEIS: Bis die Teile bereit stehen, wird gebeten, wiederholtes, vollständiges Durchdrücken des Gaspedals oder starke Beschleunigungen einzuschränken und das Schnellladen mit Gleichstrom nur bei Bedarf anzuwenden. Ford hat im Rahmen der Rückrufaktion keine Anweisung erteilt, die Nutzung des Fahrzeugs einzustellen.“

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