Große Rückrufaktion: Mercedes tauscht Kältemittel

Der Boykott von R1234yf durch die Stuttgarter, der sogar zu einer Klage der EU-Kommission gegen die Bundesregierung geführt hat, schlägt sich nun negativ in der Konzernbilanz nieder.

Mercedes-Benz CLA-Klasse: Serienmäßig an Bord jeder CLA-Klasse ist die manuelle Klimaanlage THERMATIC. Als Wunschausstattung ist die Zwei-Zonen-Klimaautomatik THERMOTRONIC erhältlich. Veröffentlichungsdatum: 06.03.2013
Bild: Daimler

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs hat für die Bundesrepublik Deutschland nur eine milde Strafe nach sich gezogen. Für Daimler hat der Kältemittel-Streit aber noch teure Spätfolgen. Der Hersteller bereitet aktuell die Umrüstung von knapp 128.000 Fahrzeugen von der Chemikalie R134a auf das umweltfreundlichere R1234yf vor. „Der Rückruf erfolgt aufgrund einer Vereinbarung mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), um die Übereinstimmung mit der gültigen Typgenehmigung für die betroffenen Fahrzeuge herzustellen“, heißt es in einem uns vorliegenden Dokument des Herstellers. Ein Konzernsprecher wollte die anstehende Aktion auf Anfrage nicht bestätigen.

Betroffen sind laut dem Schreiben die A- und B-Klasse, sowie der CLA und SL (Baureihen 176, 246, 117 und 231). Sie stammen aus dem Bauzeitraum 26. November 2012 bis 24. Oktober 2013. Daimler hatte die Weiterverwendung des eigentlich schon verbotenen R134a in den Klimaanlagen der Fahrzeuge mit Sicherheitsbedenken begründet und dies auch im Oktober 2012 mit einem Rückruf untermauert. Bis heute ist die Aktion für die B-Klasse und den SL in der KBA-Datenbank unter der Referenznummer „3886“ auffindbar. Damals wurde also R1234yf entnommen und R134a eingefüllt. Nun fordert das KBA eine Umrüstung genau in die andere Richtung.

Ob es zu einem schlichten Austausch der Chemikalien kommt oder zu einer aufwändigeren Reparatur, ist bislang unklar. Eine im Oktober ausgesprochene Gewinnwarnung spricht dafür, dass Daimler für diesen Rückruf viel Geld in die Hand nimmt. Die begründete der Konzern nämlich u.a. mit der notwendigen Risikovorsorge „aus Anlass einer aktuellen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für eine möglicherweise erforderliche Umrüstung bestimmter Fahrzeuge […], die noch mit dem früher verwendeten Kältemittel R134a ausgestattet sind.“

Würde der Hersteller den nun zurückgerufenen Fahrzeugen dieselbe Sicherheitseinrichtung gönnen wie den Mercedes-Modellen, die inzwischen ab Werk mit dem in Stuttgart unbeliebten R1234yf befüllt sind, müsste er auch hier eine Art Feuerlöscher einbauen. Das System arbeitet mit dem Schutzgas Argon und soll bei einem Unfall die Entzündung des Kältemittels verhindern. Bei weiteren 660.000 Mercedes-Modellen der Baujahre 2013 bis 2016 stellt sich die Frage nicht. Die Richter segneten hier die Nutzung von R134a nachträglich ab, weil Daimler eine andere Typgenehmigung für die Fahrzeuge verwendet hatte.

Nachtrag 2.7.2019:

Inzwischen liegt zu dem Kältemittel-Tausch ein Eintrag in der Rückruf-Datenbank des KBA vor. Die Aktion mit dem Hersteller-Code „8399001“ ist demnach in Deutschland für 2.275 Exemplare der A- und B-Klasse vorgesehen.

Über Niko Ganzer 822 Artikel
Weitere Infos über mich und den Blog finden Sie ganz oben in der Navileiste unter "About".

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*