AGR-Problematik von BMW: „Die bekommen da keine Ruhe rein“

Das KBA weist inzwischen über 25 verschiedene Rückrufcodes des Herstellers aus. Diverse Kunden berichten, dass nun auch nach 2017 gebaute Dieselmodelle in die Vertragswerkstatt einbestellt werden.

Großaufnahme der Front eines BMW X1 xDrive25d, X Line, Storm Bay metallic (09/2019)
Bild: BMW AG

„Schade, dass das jetzt wieder anfängt mit dem AGR. Die bekommen da keine Ruhe rein“. So lautet der Kommentar eines BMW-Kunden zu einer neuen Aufforderung, den AGR-Kühler an seinem Fahrzeug tauschen zu lassen. Das Problem der erhöhten Brandgefahr durch eine mögliche Glykolleckage im Kühler des Abgasrückführungsmoduls ist schon seit Jahren bekannt. Neu ist aber, was ein anderer Betroffener meldet: „Scheinbar wurde der Rückruf zum AGR-Kühler nochmals deutlich erweitert, es sind nun auch die neuen G-Serien betroffen“.

In der Tat weist die Kundenbenachrichtigung zur Aktion mit dem Herstellercode „0011530600“ auch die aktuellen Baureihen G0x (BMW X-Modelle), G1x (7er und 8er) und G3x (5er und 6er) aus. Der zugehörige Warnhinweis in der Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), der seit drei Jahren existiert, wurde zwar um den neuen Aktionscode erweitert. Das Produktionsdatum und die Anzahl der hierzulande betroffenen Fahrzeuge wurden bislang aber nicht angepasst. Hier steht nach wie vor, dass die etwas über 500.000 Einheiten in Deutschland aus dem Bauzeitraum 2010 bis 2017 stammen.

Ob es diesbezüglich Anpassungen im Datenbankeintrag mit der KBA-Referenznummer „008124“ geben wird, „befindet sich in Klärung“, sagte ein Behördensprecher auf Nachfrage. Die diversen im Zusammenhang mit dem Problem stehenden Aktionscodes von BMW (inzwischen sind es über 25!) sind insbesondere in den vergangenen Wochen nachgetragen worden. Sie alle tragen den Status „überwacht“, d.h. es handelt sich um Pflicht-Updates.

Kunden, die wegen dem Problem bereits (mehrfach) in der Vertragswerkstatt waren, äußern sich ungehalten: „Ich bin etwas verwirrt, weil mein AGR-Kühler erst im August letzten Jahres wegen einer anderen Rückrufaktion getauscht wurde. Mein Auto war dazu 2 Tage im Autohaus. Ob die jetzt ernsthaft nach einem Jahr schon wieder den Kühler tauschen wollen?“, fragt einer. „Ich war mit meinem Wagen zweimal zur AGR-Kontrolle, alles ok und nichts wurde getauscht. Nun hab ich gestern auch die ‚Bitte‘ zur Softwareanpassung erhalten. Nach euren Erfahrungen hier wird die erstmal liegenbleiben“, kündigt ein anderer an.

BMW: Keine „One fits all“-Lösung möglich

Mit „Softwareanpassung“ ist eine weitere Abhilfemaßnahme gemeint, bei der laut einer BMW-Sprecherin eine „Diagnose- und Schutzfunktion“ aufgespielt wird. Sie erkennt demnach „zu einem sehr frühen Zeitpunkt selbst kleine Leckagen im Ansauglufttrakt und verhindert somit eine weitere Motorschädigung bzw. thermische Überlast“. In einigen Fällen könne die Aktivierung der Schutzfunktion zu einer „kurzfristigen Leistungsreduktion“ führen, was den Fahrzeuginsassen per „Check-Control-Meldung“ angezeigt werde. Münchner Dieselmodelle, die seit 2021 vom Band gelaufen sind, haben diese Diagnosefunktion offenbar ab Werk an Bord.

„Grundsätzlich gilt, dass der Sachverhalt zur AGR Thematik sehr komplex ist“, betonte die Sprecherin weiter. Angesichts vieler betroffener Modellreihen, Motor- und Steuergerätegenerationen sowie Homologationsvarianten gebe es keine „one fits all“-Lösung für die Betroffenen. Und so könnten die aktuellen Werkstattbesuche auch nicht die letzten wegen dieser Problematik sein. Ein Kunde leitet im Internet bereits die nächste Ansage weiter: „Werkstatt meint […] im Jan/Feb 23 komme ein neues Update und man solle sich auf der BMW Rückruf Service Seite informiert halten“.

Nachtrag 24.11.:

Inzwischen hat das KBA zumindest die Baujahre in seinem Datenbankeintrag angepasst. Sie gehen nun von 2010 bis 2022. Die betroffene Stückzahl ist bislang unverändert. In einer neuen Wortmeldung bei „Motor-Talk“ werden weitere bisher nicht gelistete Aktionscodes erwähnt. Sie lauten „0011570600“ und „0011580600“.

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