NADI-Airbags: Youngtimer-Rückrufe nun auch bei Audi und VW

Das neue Kapitel im Takata-Debakel schreibt nun auch der größte Automobilkonzern der Welt mit. Die Stückzahlen bei Audi klingen gigantisch, dürften aber angesichts der betroffenen Baujahre niedriger liegen.

Studioaufnahme eines blauen Audi A6 C5.
Bild: Audi AG

Der bereits aus den USA und Australien bekannte Audi-Rückruf für über 20 Jahre alte Modelle ist nun auch beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) aktenkundig. Die von der Flensburger Behörde im Zusammenhang mit der Aktion „69AE“ genannten Stückzahlen klingen gigantisch: Insgesamt sind demnach weltweit 881.000 Exemplare der Baureihen A4, A6, A8 und TT betroffen, davon 354.000 in Deutschland. Eine gleichlautende Fehlermeldung gibt es zudem für den VW Golf und Passat. Die Aktion „69AR“ ist den Angaben zufolge aber weltweit nur für 4.127 Einheiten eingeplant, davon 3.211 hierzulande.

Der Grund für den riesigen Unterschied könnte sein, dass VW die tatsächlich noch existente Stückzahl der über 20 Jahre alten Autos an das KBA übermittelt hat, während bei Audi die Summe aller zwischen 1997 und 1999 produzierten Fahrzeuge steht. So verhielt es sich im vergangenen Dezember auch bei BMW. Das KBA sprach damals von über 211.000 betroffenen Fahrzeugen bei uns, während ein BMW-Sprecher betonte, dass von den betagten Autos noch maximal 20 Prozent auf der Straße seien. Sollte dieser Anteil auch für Audi gelten, wären das immerhin noch über 70.000 Einheiten allein in Deutschland. Da die Ingolstädter Pressestelle keine Stellung mehr zu Rückrufaktionen nimmt, lässt sich dies nicht verifizieren.

Klar ist, dass die Konzernmodelle einen neuen Gasgenerator im Fahrerairbag benötigen. Seit vergangenem Jahr ist bekannt, dass sich auch in diesen so genannten „Non Azide Driver Inflators“ (NADI) das Treibmittel zersetzen kann. „Im Extremfall könnte das Gehäuse des Gasgenerators reißen und die Insassen verletzen“, warnt das KBA. Audi hatte in der Vergangenheit allerdings gegenüber US-Behörden betont, dass man lediglich von einem evtl. bei einem Unfall nicht ordnungsgemäß öffnenden Luftsack ausgehe.

Die gefährlichen Bauteile stammen auch in diesem Fall vom inzwischen insolventen japanischen Zulieferer Takata. Schon seit Jahren sorgen seine Airbags immer wieder für Rückrufaktionen, inzwischen auch für Fahrzeuge, die vor der Jahrtausendwende vom Band liefen und somit bereits als Youngtimer bezeichnet werden können. Rückrufe starteten zuletzt auch Toyota, Honda, Mazda und Suzuki. Problem für alle Hersteller ist die Ersatzteilverfügbarkeit. Honda hatte zuletzt den Dezember genannt. Laut Kundenbeschwerden im Internet hat BMW deswegen betroffenen Haltern empfohlen, ihre Fahrzeuge bis zur Reparatur nicht mehr zu nutzen.

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